Eine Schultüte für die neue Rektorin

Nach einem Jahr kommissarischer Leitung wurde Ann-Cathrin Müller als Schulleiterin der Neuffener Realschule eingesetzt



NEUFFEN. Dabei hatte Ann-Cathrin Müller eigentlich nicht vor, Lehrerin zu werden. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau und wollte europäische Betriebswirtschaftslehre studieren. Während ihrer Zeit in der Berufsschule erklärte sie einigen ihrer Mitschülern den Lernstoff und wurde von einem Lehrer auf ihre Fähigkeiten aufmerksam gemacht. „Er fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könne, Lehrerin zu werden“, erinnert sich Müller zurück. „Ich habe in mich reingehört und gemerkt, dass ich mir das wirklich gut vorstellen konnte.“
Sie sieht es als Wink des Schicksals, dass sie sich nach der Ausbildung für ein Lehramtsstudium in Mathematik, Französisch und Gemeinschaftskunde entschied und es sie letztendlich an die Realschule nach Neuffen verschlagen hat. Seit 2008 ist sie hier. Ein Jahr war sie kommissarische Schulleiterin, nachdem Rektor Werner Hoffmann im Juli letzten Jahres verabschiedet wurde.
„Sie hat es sich nicht leicht gemacht mit ihrer Bewerbung“, sagte Schulamtsleiterin Corina Schimitzek in ihrer Rede zur Amtseinsetzung Müllers. „Die Gemeinde, das Schulamt und die eigenen Kollegen mussten viel Arbeit leisten und ihre Wertschätzung bekunden.“ Das ausschlaggebende Argument für eine Bewerbung um das Amt des Schulleiters brachte am Ende jedoch Müllers Ehemann. „Wenn Du ganz ehrlich bist, hängt Dein Herz an Neuffen“, zitiert die Schulleiterin ihren Mann. „Mein Zögern lag nicht am fantastischen Kollegium, an den Schülern oder den Eltern“, erklärt sie. „Sondern an der weiten Strecke, die ich jeden Tag zurücklegen muss.“ Die insgesamt 100 Kilometer – sie wohnt in Pfronstetten – nimmt sie jeden Tag gerne auf sich, nun auch mit Hinblick auf ihre berufliche Zukunft.



Dass sie mit viel Herz an die Sache geht, merken auch die mehr als 500 Schüler. „Sie sind freundlich, aber streng“, sagte Schülersprecher Hannes Votteller. „Sie sehen in uns nicht nur Schüler, sondern auch die pubertären Menschen.“ Laetitia Schmit, Schülersprecherin, stimmte ihm zu: „Sie machen die Schule zu einem Ort, an den man gerne kommt. Sie haben Ihr Herz am rechten Fleck.“
Wenn es den Schülern gut geht, geht es auch den Eltern gut. Zumindest meinte Elternsprecherin Sabine Linsenmeier: „Was könnte uns Besseres passieren?“ Sie bezeichnete Müller als eine ambitionierte Frau mit guten Nerven, die sich nicht unterkriegen lässt, charmant, hilfsbereit, nahbar und mutig ist. „Bleiben Sie, wie Sie sind“, bat sie die Rektorin und überreichte ihr für den guten Start in den neuen Lebensabschnitt eine rosafarbene Schultüte.



„Sie machen die Schule zu einem Ort, an den man gerne kommt“
Schülersprecherin Laetitia Schmit

 
Bürgermeister Matthias Bäcker sucht in einer Rektorin neben der pädagogischen Eignung Managerqualitäten, Wille, Energie, Kontrolle und Empathie. All das habe Ann-Cathrin Müller zu bieten. Und Bäcker weiß: „Die neue Schulleiterin weiß, was sie will und wird den Schulträger in die Pflicht nehmen.“
Dass dies durchaus anstrengend sein kann, weiß Kollegin Heiderose Maier. Sie leitet die Grund- und Werkrealschule Neuffen und wünscht Müller, dass „alles rundum sehr gut läuft“. Sie solle bei all den Entscheidungen, die sie täglich zu fällen habe, lernen, Prioritäten zu setzen. „Manchmal muss man auch mal etwas auf die lange Bank schieben.“
Schuldekanin Dorothee Moser verglich die Schule mit einem Garten: „Die Leiterin ist die Gärtnerin, die mit gutem Boden für Wachstum sorgt.“ Dazu gehöre auch, die Pflanzen zu düngen und ihnen Zeit zu geben, richtig zu wachsen. „Schule ist keine Menschenfabrik, sondern ein Bildungsraum.“
Auf die weitere Zusammenarbeit freuen sich Jens Gärtner vom Förderverein der Schule und Pfarrer Gunther Seibold. Vom Pfarrer gab es eine Backmischung: „Die intensivste Beziehung führen wir zu Advent. Damit Sie also im nächsten Advent etwas zum Backen haben, bekommen Sie eine Backmischung von der Linsenhofener Mühle.“ Der passende Ausstecher in Herzform für Plätzchen mit besonders viel Liebe fehlte natürlich nicht.
„Dass ich das noch erleben darf!“, sagte Lehrer Hans Wahl, der als Dienstältester für alle Kollegen sprach. „Wir möchten Dir danken für den Fleiß, den Du aufwendest, dass Du selbst mit anpackst und einfach eine von uns bist.“ Wahl betonte, dass auch in Zukunft alle Lehrer geschlossen hinter ihrer Schulleitung stehen werden: „Wir schätzen und wir mögen Dich.“
Das war besonders zu spüren, als das gesamte Lehrerkollegium auf die Bühne kam und für seine neu ernannte Rektorin das Lied „Tausend Tattoos“ von Sido sang. Den Text ein wenig abgewandelt, dankten sie Ann-Cathrin Müller und sangen gemeinsam: „Wo jetzt ein Herz ist, war mal ’ne Narbe und da steht Dein Name, ich trag’ ihn mit Stolz und das ist meine Art Dir zu sagen, es ist schön, dass Du da bist.“



Überwältigt von all dem Lob, das sie erhielt, bedankte sich die neue Rektorin mit strahlendem Gesicht. Sie wisse, dass viele Herausforderungen auf sie warten, sagte sie. Das Wichtigste sei jedoch, in die jungen Menschen an ihrer Schule zu investieren. „Chancengleichheit ist ein wichtiges Thema. Die Kinder können nichts dafür, woher sie kommen. Wir versuchen unser Bestes, ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.“

Quelle:
https://www.ntz.de/nachrichten/region/artikel/eine-schultuete-fuer-die-neue-rektorin/
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Redakteur / Urheber
Sabrina Kreuzer (NTZ)