Berliner Theaterensemble an der Realschule Neuffen


Cybermobbing und Fremdenfeindlichkeit versus Freundschaft und Respekt, dies sind Themen die die Jugendlichen in Zeiten von Digitalisierung und globaler Vernetzung alltäglich beschäftigen. Ob WhatsApp, Facebook, Instagram, die klassische SMS oder die Möglichkeiten der Google-Suche, Jugendliche werden auf verschiedenen Kanälen mit negativen Kommentaren und Einstellungen gegenüber Einzelpersonen oder Personengruppen konfrontiert. Hierfür sind ein reflektierter Umgang und eine kritische Auseinandersetzung von Nöten, dies ist allerdings nicht immer einfach.

Das Berliner Theaterensemble Radiks greift diese Thematiken in ihren Theaterstücken authentisch, schülernah und gut verständlich auf. Im Anschluss an die Aufführungen bekamen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen an die Schauspieler und zu ihrem Stück zu stellen. Die Aufführung wurde von den Darstellern Julenka und Alexander präsentiert, die durch clevere Kleidungswechsel und medialen Einsatz den gebannten Zuschauern viele verschiedene Rollen vorstellten und einen vergessen ließen, dass sie eigentlich „nur“ zu zweit waren.

Die Klassenstufe 7 und die Klassen 8a und 8b schauten sich das Stück „Fake oder war doch nur Spaß“ an. Es handelt von der siebzehnjährigen Lea, die davon träumt Sängerin zu werden und von einer Casting-Agentur aufgenommen wird. Doch ihre vermeintlich beste Freundin Nadine reagiert daraufhin mit Neid und hetzt die Menschen aus Leas Umfeld gegen sie auf. Anfänglich sind es nur Sticheleien, die jedoch schnell in Ausgrenzung, Mobbing und offen ausgesprochene Drohungen umschlagen. Lea wehrt sich zunächst dagegen, merkt aber schnell, dass das nichts bringt und es teilweise noch schlimmer macht. Sie zieht sich immer mehr in sich selbst zurück und lässt niemanden mehr an sich heran. Auch ihr Vater und ihr bester Freund können nicht mehr zu ihr durchdringen. Nachdem ihr Vater sie dazu drängt Anzeige zu erstatten, will Lea sich das Leben nehmen. Sie wird noch rechtzeitig gefunden und gerettet. Die Polizei nimmt anschließend die Ermittlungen auf.

Die darauffolgenden Fragen der Schülerinnen und Schüler waren zu Beginn von allgemeiner Natur und gingen im Verlauf mehr und mehr ins Detail. Beispielsweise interessierten sie sich dafür, ob die Geschichte wirklich passiert ist, was bejaht wurde und die Jugendlichen sehr bewegte.
Aber auch die Zuschauer waren gefragt, denn sie sollten Tipps und Ratschläge nennen, die sie Lea geben würden, um mit der Situation besser umgehen zu können.

Sehr wichtig waren die abschließenden Hinweise darauf, dass es ausschlaggebend ist, sich in einer solchen oder ähnlichen Situation an jemanden zu wenden, dem man vertraut (z.B. Eltern, Lehrer, Freunde, Polizei), nachzudenken bevor man etwas postet und sich nicht rauszuhalten, wenn man Derartiges mitbekommt. Auch die Polizei nimmt bei einer Anzeige in jedem Fall Ermittlungen auf und in der heutigen Zeit ist die Anonymität im Netz, hinter der sich Mobber verstecken, eigentlich keine mehr, da alles aufgedeckt werden kann.

Die Klassenstufe 9 und die 8c setzten sich anhand des zweiten Stückes „Wir waren mal Freunde – Blick zurück nach vorn“ mit den Themen Fremdenfeindlichkeit und Freundschaft auseinander. Die Geschichte beginnt mit der Brandstiftung an einem Asylheim, bei der ein Obdachloser beinahe ums Leben kommt. Er wird in letzter Minute von Joscha gerettet. Dies wirft jedoch die Frage auf, weshalb er sich um 22:00Uhr noch in der Nähe des Gebäudes aufhält. Hat er etwas damit zu tun oder von dem Anschlag gewusst? Die Folgen sind die Überwachung durch die Polizei, Ausgrenzung in der Schule und seine Mutter bekommt die gewünschte Arbeitsstelle nicht. Joscha ist verzweifelt, er wünscht sich doch nur, dass er bessere Noten, seine Mutter eine anständige Stelle bekommt und, dass die ständigen Anfeindungen endlich aufhören. Durch Melek, eine gläubige Muslima, wird er nun auch noch mit alten Wunden konfrontiert und an vergangene Freundschaften erinnert. Joscha und seine Schwester waren früher mit Melek und deren Cousin Murat befreundet, heute begegnen sich die vier nur noch mit Vorurteilen und Abneigung. Im Verlauf der Vorstellung stellt sich heraus, dass Joschas Denken durchaus geprägt war, von Vorurteilen und Hass gegenüber Ausländern. Inzwischen sieht er das allerdings anders. Letztendlich wird aufgedeckt, dass Marion, Joschas Schwester, und ihr Freund Heinz in die Brandstiftung verwickelt sind. Joscha äußert sich dazu abschließend wie folgt: „Wir müssen alle aufeinander zugehen, sonst haben wir keine Chance.“

Das anschließende Gespräch mit den Schauspielern schloss mit folgenden bedeutsamen und so wahren Sätzen: „Man muss über Toleranz und Respekt sprechen! Es gibt kein richtig oder falsch. Man muss jeden respektieren, auch andere Meinungen, denn ohne Respekt gibt es keinen Dialog und dies wiederum führt zu Auseinandersetzungen und Abneigung.“
Die Schülerinnen und Schüler waren von den Theaterstücken tief beeindruckt.

Dafür bedanken wir uns herzlich beim Theaterensemble Radiks für die interessanten und toll gestalteten Aufführungen und bei Herrn Fischer, der alles Notwendige rund um die Vorstellungen organisiert hat!

JM