"Wer nichts macht, macht mit"


Fast jeder kennt die Situation: Man beobachtet etwas, weiß sofort, hier müsste ich eingreifen, und dann tut man’s doch nicht – meistens aus Angst vor irgendwelchen Folgen für einen selber. Viel zu oft schauen wir einfach weg, und das passiert auch täglich in der Schule. Meistens sind es kleine Dinge, da wird einem das Mäppchen runtergeworfen, als er es aufheben will, tritt ein anderer es wie zufällig mit dem Fuß weg. Und „zufällig“ hat es schon wieder den Egon getroffen – wie gestern auch. Was sollte man tun, wenn man sieht: Das ist nicht recht, das darf nicht sein? Diese Frage war einen Tag lang Thema beim Projekttag der SMV in der Realschule Neuffen.
Mit Rollenspielen, die die Sprachkompetenz fördern sollten, begann der Projekttag, der 21. Mai 2012, für alle Klassen. Anschließend ging es in die einzelnen Workshops.
Die Fünfer und Sechser sahen eine Theaterszene, die mit den Leiterinnen der Workshops ( Schülerinnen aus der Theater-AG unter Anleitung von Verbindungslehrer Gerhard Schulz) vorher einstudiert worden war. Jede Klasse konnte nun verschiedene Auflösungen der Situation erarbeiten, mit eigenen „Schauspielern“ proben und natürlich auch vorspielen. Am Ende einigte man sich darauf, welche Strategie in der vorgegebenen Situation wohl die beste gewesen wäre.
Verbindungslehrerin Ulrike Grimm leitete die Schülergruppe, die die Workshops für die siebten und achten Klassen durchführte. Hier ging es um den Umgang mit Behinderten. Viele „übersehen“ solche Menschen lieber, weil sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird. Die Siebener und Achter konnten hier aus erster Hand, nämlich von Behinderten selber, erfahren, wie diese sich einen Umgang zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten vorstellen. Sehr couragiert und selbstbewusst stellte sich hier eine Gruppe von Behinderten einer der KBF Mössingen den Schülern im Gespräch. Außerdem konnten die Realschüler konkrete Erfahrungen machen, wie man sich mit einer Behinderung fühlt, ob als Sehbehinderter, Sprachbehinderter oder im Rollstuhl.
Die Neuner widmeten sich einem hochaktuellen Thema: Mobbing in modernen elektronischen Kommunikationssystemen. Was kann ich als Außenstehender tun, wenn ich sehe, dass ein Mitschüler hier zum Opfer wird? Auch dieser 
Workshop wurde von Schülern geleitet, die von Manuel Mauch, Fachlehrer für EDV, unterstützt wurden.
Gleichzeitig wurden etwa 30 ausgewählte Schülerinnen und Schüler in einem weiteren Workshop von Andreas Wagner, dem Jugendsachbearbeiter der Polizeidirektion Esslingen, über alle Aspekte des Verhaltens als Zeuge in vielen Situationen informiert. Diese Schüler gaben dann am Nachmittag in Kleinteams diesen Workshop mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation, die Herr Wagner zur Verfügung gestellt hatte, an alle Schüler der Schule weiter.
Zum Schluss dokumentierten alle Klassen auf Plakaten, welcher Eindruck zum Thema nach diesem Tag bei ihnen geblieben ist.
Unterstützt von den beiden Verbindungslehrern Ulrike Grimm und Gerhard Schulz und der stellvertretenden Schulleiterin Ann-Catrin Deyle ist es den beiden Schülersprechern Lena Alberts und Luca Lamparter mit ihrem SMV-Team hervorragend gelungen, eine ganze Schule für einen Tag mit einem sehr interessanten Programm reibungslos zu organisieren.
Natürlich wird sich das Verhalten der Schüler mit diesem Tag nicht schlagartig zum Positiven wenden. Das anzunehmen wäre illusorisch. Aber mit Sicherheit war dieses Projekt eines der vielen kleinen Mosaiksteinchen, aus denen sich, meist über einen Zeitraum von vielen Jahren, ein Wertesystem zusammensetzt.