Einblick in das Schulleben der USA


Noch im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland sah man einige Abschiedstränen in den Augen. Schülerinnen und Schüler der 10. Klassenstufe der Realschule Neuffen kehrten gerade von einem 14-tägigen Austausch mit der High School in Merrill, Wisconsin zurück. Der traditionelle Austausch fand erstmals unter neuer Leitung statt. Auf Nachfrage zu gewonnen Eindrücken erhält man freudige und begeisterte Berichte von allen Teilnehmenden. Ein Gewinn für alle.
 


Unter Leitung von Isabella Nuding und Falk Matthey hatten sich am 14. September 2019 15 Schülerinnen und Schüler auf den Weg in die USA gemacht. Allen stand der erste Austausch mit der High School in Merrill, einer Kleinstadt mit etwa 11.000 Einwohnern im Bundesstaat Wisconsin, bevor.
 
Alle Teilnehmer hatten sich einem Auswahlverfahren gestellt, bei welchem sich vor allem Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und ein Wille zur kulturellen und sprachlichen Weiterentwicklung als Merkmale auszahlten. „Wir wollten Schülern, ob stark im Englischen oder nicht, vor allem die Möglichkeit zur Motivation zum Sprechen und zu kulturellem Verständnis bieten und damit einen echten Austausch zwischen beiden Ländern schaffen“, so die Ansicht von Englischlehrer Falk Matthey. Beide Lehrkräfte sehen die Begegnung im Nachhinein als vollen Erfolg an. „Wir hatten eine tolle Gruppe, sowohl aus deutschen als auch amerikanischen Schülern. Wir konnten spüren, dass sich bei allen vieles positiv verändert hatte.“
 
Bereits seit Oktober 2018 war der Austausch in Planung. Auswahlgespräche, Flugbuchungen, Formulare, Elternabende und so manche Treffen im Schulhausflur brachten die Pläne ständig voran. Eine offene und unterstützende Elternschaft machte diese Vorbereitungen unkompliziert und schuf eine gemeinsame Planungsebene zwischen allen Beteiligten.
 
Die Kollegin an der Partnerschule, Anna Fischer, welche dort Deutsch unterrichtet, hatte mit Unterstützung ihrer Kollegen ein großartiges Programm zusammengestellt, welches den Spagat zwischen alltäglichem Leben in den USA und den Besonderheiten der Region und des Staates schaffte. Neben Besuchen in der Hauptstadt Madison, deren Capitols und des Kalahari Freizeitparks und der Mall of America, des größten Einkaufszentrums der Welt, konnten die Schüler vor allem die regionalen Sehenswürdigkeiten genießen. Ein gemeinsamer Besuch der „Haunted Sawmill“, einer spukenden Sägemühle war ein weiteres Highlight. Die deutschen Schüler erlangten sogar Berühmtheit durch Interviews im regionalen TV-Sender WSAW, welche auf dessen Internetseite zu begutachten sind. Bei den Vorbereitungen zur Homecoming Week halfen sie außerdem dabei, die sogenannten Floats, also Paradewagen, vorzubereiten und künstlerisch zu gestalten. Während der gesamten Zeit besuchten sie jedoch auch stets den regulären Unterricht ihrer Austauschpartner und machten sich ein Bild vom Schulleben.
 
„Hier ist der Umgang mit den Lehrern viel lockerer. Außerdem kann man Handys und Tablets nutzen, sich seinen Stundenplan selbst zusammenstellen und so viele außerunterrichtliche Veranstaltungen und Clubs besuchen“, so der Konsens der überraschten Deutschen nach den ersten Tagen im Unterricht. Die Pläne der US-Schüler sind deutlich voller und es kommt schon einmal vor, dass diese den gesamten Tag von morgens bis abends an der Schule verbringen.
 
Der Kulturschock war jedoch für beide Seiten sehr interessant. So wurden ständig Fragen zu Deutschland gestellt und es gab nur allzu oft verwunderte Blicke über die Unterschiede zu den USA. Die Schüler vermittelten nicht nur im Deutschunterricht bei Frau Fischer ein Bild von Deutschland und dessen Kultur, sondern die Gespräche zwischen allen waren offen und der Austausch darüber erfreute sich großem Interesse von beiden Seiten. Doch nicht nur sprachlich, sondern auch physisch waren die Unterschiede spürbar. Die andere Essenskultur fiel deutlich auf und viele Schüler, so auch Vegetarier und Veganer, wurden von den Gastfamilien wunderbar versorgt und deren Gewohnheiten beachtet. Leider mussten einige Schüler und Lehrer aufgrund der starken Klimatisierung in allen Gebäuden, in welchen man nicht selten Deutschen mit Winterjacken begegnete, auch mit einer kleinen Erkältung kämpfen.

Die Schüler folgten ihren Gastschülern außerhalb der reinen Unterrichtszeit auch zu allen weiteren Terminen ihres Tages, welche oft aus Sportvereinen, Clubs oder beispielsweise der Band-Practice bestanden. All diese Bemühungen zeigten sich eindrucksvoll unter anderem beim Footballspiel des Schulteams am ersten Freitagabend. Das Programm der Halbzeit bestand aus Tanz, Musik der Kapelle und Lotteriespielen. All dies waren Aspekte, welche im alltäglichen Schulleben von Eltern und Schülern ganz selbstverständlich mitorganisiert werden. Zwar verlor das Team leider, doch dies hinderte Fans und Team nicht daran, am Ende aufzustehen und den schuleigenen Gruß zu sprechen und gemeinsam das Stadion zu verlassen. Diese Solidarität und die Gewichtung der Gemeinschaft war ein beeindruckender Beweis dieser besonderen Schulkultur.
 
Nach 14 Tagen USA war es Zeit für den Abschied und es war spürbar, dass dieser nicht leichten Herzens erfolgte. Tränen und lange Umarmungen waren das Bild vor dem Check-In am Flughafen, bevor es zum ersten der zwei Zwischenstopps in Minneapolis ging. Hörte man sich um, so war der Konsens, dass enge Freundschaften geschlossen wurden und sich Gedanken darüber gemacht wurde, wie man die verbleibende Zeit bis zum Rückbesuch der Amerikaner in Neuffen durchstehen könnte. Lediglich die Fluglinienmitarbeiter waren etwas nervös: Die Abschiedszeremonien machten die Zeit zwischen Check-In und Betreten des Flugzeugs sehr knapp. Am Ende schafften es jedoch alle rechtzeitig an Bord.
 


„Ich freue mich darauf, endlich wieder (fügen Sie hier ein deutsches Gericht Ihrer Wahl ein) zu essen“, so die Aussage nahezu aller Schüler, wenn man fragte, ob sie sich auf ihre Heimat freuten. Auch die eigenen Familien in Deutschland wurden nach einer solch langen Zeit wieder freudig erwartet.
 
Mitte Juni ist es dann so weit. Die Schüler und Lehrer aus den USA besuchen Neuffen und es gibt ein Wiedersehen in Deutschland.
Redakteur / Urheber
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Falk Matthey