"Was soll ich bloß werden?"


Ein wichtiger Bestandteil der neunten Klasse ist BORS (Berufsorientierung an Realschulen). Dabei gliedert sich BORS in drei über das Schuljahr verteilte Profilwochen, in denen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise lernen, wie Bewerbungen angefertigt werden sollten oder wie sich Berufe im Laufe der Zeit gewandelt haben. Auch müssen sie lernen ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen zu können oder sich ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst werden.
Die Praktikumswoche in den Betrieben stellt einen weiteren Bestandteil dar. Hier bekommen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit in verschiedene Berufe reinzuschnuppern und beim jeweiligen Tätigkeitsfeld ganz genau "über die Schulter zu schauen". Ist der Beruf abwechslungsreich? Sind die Arbeitszeiten in Ordnung? Diese und viele andere Fragen können so ganz konkret erforscht werden. Im Optimalfall kann dann am Ende der Woche stolz verkündet werden, dass der Berufswunsch bestätigt wurde. Manchmal hört man aber auch Aussagen wie: "Ich habe mir das immer ein bisschen anders vorgestellt." Auch dann ist das Praktikum allerdings erfolgreich, denn so wurde die wichtige Erfahrung gemacht, dass der "Traum"-Beruf eben doch nicht halten konnte, was er versprach. In jedem Fall ist die Praktikumswoche also ein Gewinn. Und so testeten die Schülerinnen und Schüler der Realschule Neuffen vom 07. - 11. März fünf Tage lang eine Unmenge an Berufen aus: Kinderkrankenpfleger, Industriemechaniker, Elektroniker, Polizist, Bürokaufmann, Erzieher, Koch, Physiotherapeut, Architekt, Fitnesskaufmann, Sozialarbeiter, Verwaltungsfachangestellte, Medientechniker, Informatiker, Sozialversicherungsfachangestellte, Krankenpfleger, und und und


Can zusammen mit anderen Praktikanten als Chemielaborant bei Greiner Bio-One

Can aus der 9c verbrachte seine Woche beispielsweise bei der Firma Greiner Bio-One in Frickenhausen und schnupperte dort die Luft eines Chemielaboranten. Zusammen mit drei Praktikanten von anderen Schulen wurde er dabei unter anderem von Fabian Eberspächer betreut, der vor wenigen Jahren selbst noch Schüler der Realschule Neuffen war und sich als Azubi bei Greiner Bio-One sehr begeistert von seiner Tätigkeit zeigte. Um einen möglichst umfassenden Einblick in den abwechslungsreichen Beruf zu ermöglichen, hat er sich einiges überlegt. So konnten die Praktikanten beispielsweise selbst Aquarellfarben und sogar Aspirin herstellen. Besonders eindrucksvoll war das Extrahieren von menschlicher DNS aus eigenen Mundschleimhautzellen. Dazu wurde die Mundhöhle zusammen mit einer Salzlösung gespült und anschließend in ein kleines Röhrchen gespuckt. Danach wurde tensinhaltiges Spülmittel hinzugegeben und später noch mit kaltem Ethanol vermengt. Nach etwas Wartezeit waren die ersten Ergebnisse bereits sichtbar. "Ich bin zufrieden und kann mir das auf jeden Fall vorstellen", resümierte Can.

Extrahierte menschliche DNS

Im Kindergarten "In den Krautgärten" in Frickenhausen hatte Feyza (9c) alle Hände voll zu tun, obwohl viele Kinder in dieser Woche krankheitsbedingt zu Hause bleiben mussten. Mit viel Freude berichtete sie von ihren abwechslungsreichen Aufgaben und stellte klar, dass sie vor allen Dingen die Arbeit mit den Kindern sehr schätzen würde. Dennoch konnte sie die Frage, ob sie sich später auch für den Beruf der Erzieherin entscheiden würde, nicht zweifelsfrei bejahen. "Toll ist es hier schon, aber es ist auch immer so laut. Ich bin mir noch nicht so sicher", lautete ihr Fazit.    

"Es macht total viel Spaß hier", strahlte dagegen Jana (9c). Bei der BKK Voralb in Nürtingen bekam sie erste Einblicke in den Beruf der Sozialversicherungsfachangestellten. Beim Besuch ihres Klassenlehrers Herr Mauch war sie gerade dabei, die tägliche Post zu öffnen und zu sortieren. "Da kommt jeden Morgen ganz schön viel Post rein. Ich muss als erstes immer die Briefe öffnen und nach verschiedenen Kategorien sortieren. Danach muss ich dann die Daten am Computer eintragen." Bernhard Zinser, der Vorstand der BKK Voralb, zeigte sich begeistert von seiner Praktikantin. "Von den Praktikanten, die wir bisher hatten, macht Jana mit Abstand den besten Eindruck. Sie ist interessiert, fragt unheimlich viel nach und hat dabei eine gute Auffassungsgabe." Schmunzelnd fügte er dann noch hinzu: "Wenn sie sich später mal bei uns bewerben sollte, dann würden wir sie auf jeden Fall mindestens zu einem Vorstellungsgespräch einladen." Allerdings müsste sich Jana bis dahin noch ein wenig gedulden. Denn Bernhard Zinser gab auch zu bedenken, dass er aufgrund des zur Ausbildung gehörenden Blockunterrichts im dualen System am meisten volljährige Bewerber schätzen würde.

Jana als Sozialversicherungsfachangestellte bei der BKK Voralb in Nürtingen